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Unterschriftensammlung zum Erbausschlag #weltfrauentag

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren

 

Jüngst kam mir zu Ohren,

dass es von enormer Wichtigkeit ist,

die eigenen Belange im Stile der Eigenverantwortung vorzutragen

und klar, präzise, aber gänzlich gewaltfrei zu kommunizieren.

 

Ich gebe zu, mir erschließt sich durchaus der bemerkenswerte Nutzen zugunsten von Frieden, Freude und Eierkuchen, den im Übrigen meine Vorfahrinnen mit vorzüglicher Hingabe für ihre angetrauten Ehemänner gebacken haben.

 

Hören Sie nun ein bisschen Sarkasmus heraus, ein wenig Ironie? Auch das entspricht nicht gänzlich gewaltfreier Kommunikation, richtig?

Nun, auch wenn mein Bauch viel Wut angestaut hat, die ich unfreiwillig geerbt habe, werde ich mich bemühen, klar, präzise und gewaltfrei zu kommunizieren:

 

Erst kürzlich sah ich einen alten Werbefilm zum Thema Eierkuchen backen im weitesten Sinne. Leider war dessen Inhalt bitter ernst gemeint und ich bin wirklich froh, dass dieser im Zusammenhang des heutigen Zeitalters in weiten Teilen unserer Breitengrade der Kategorie Comedy zugeordnet werden würde.

 

Dieser Werbefilm besang ein damals frisch auf den Markt gebrachtes Mittel genannt Frauengold, welches der treusorgenden Ehefrau zu weniger Depression, Wut und neuer Lebensfreude verhelfen sollte, im Besonderen zugunsten ihres Mannes, der so ihren Launen nicht mehr schutzlos ausgeliefert ist. Eigentlich, nun, wurde die Frau damit einfach ein wenige besoffen gemacht.

 

Ich bemerke angesichts, und dies in all dem aus meiner Sicht nötigen und angebrachten Ernst, dass ich erschüttert bin über das Erbe, das mir aus vergangenen Zeiten angeboten wird.

Ich bemerke durchaus, dass viele Versuche nicht ohne Wirkung bleiben, das Erbe für die Frau attraktiver zu machen und so zu verändern, dass wir gut damit leben können.

 

Wir werden „auch gesehen“, sind schon „mit gemeint“, sind als Arzthelferinnen, Apothekenhelferinnen, Sekretärinnen und Assistentinnen für unsere Chefs wirklich unersetzlich „Ohne Sie wäre ich nichts, Fräulein!“ bekommen wir als Lob zu hören.

 

Und ja, mittlerweile steigen wir auch auf, wie man das so nennt, zumindest in der westlichen Welt.

Wir werden Chefinnen und die feministische Bewegung wird als Teil der Gesellschaft zumindest registriert anstatt als lächerlich abgestempelt und ignoriert, wenn sie auch zu weiten Teilen immer noch nicht unterstützt, gar angefeindet wird.

 

Wir geben nicht auf.

Doch es stellt mich nicht zufrieden, dass wir darum kämpfen müssen, einen Zustand zu erreichen, den wir als Basis für ein gesundes Miteinander bezeichnen würden. Immer noch liegen wir damit unter dem Nullspiegel.

 

 

Ich tue mich wirklich schwer damit, ohne gänzlichen Paradigmenwechsel innerhalb des Kapitalismus für die Frau eine Stellung zu erkämpfen, die sie dann vielleicht gleichberechtigt sein lässt. Für meine Begriffe dauert es viel zu lang, bis dieser Zustand erreicht sein wird. Der Preis ist zu hoch, zu viele Ofer müssen bis dahin noch gebracht werden.

 

Solange wir weiter mit dem grundlegenden Gedanken befreundet sind, dass wir etwas lebenswichtiges (unsere Basisressourcen auf emotionaler, körperlicher und geistiger Ebene) geben müssen, um etwas anderes lebenswichtiges zu bekommen, wird es auf dieser Welt immer VerliererInnen geben. Selbst, wenn es eines Tages nicht mehr die Frau sein sollte, die ausgebeutet wird, werden wir an ihrer Stelle ein anderes Opfer leiden lassen.

 

Lasst uns einen kleinen Exkurs zurück zum Anfang nehmen:

Die Natur arbeitete aufgrund des Gesetzes „Das Überleben des Stärkeren“.

Die menschliche Spezies konnte sich hoch arbeiten, davon bin ich fest überzeugt, weil sie sich über eben diesen instiktiven Grundsatz erhoben und sich für einen anderen Weg entschieden hat:

 

Die Menschheit entschied sich fürs Teilen.

 

Irgendwann jedoch haben wir das Teilen aus den Augen verloren und uns für den Handel entschieden, weil wir den Hals nicht voll genug kriegen konnten.

Ist es nicht so? Wir handeln, weil wir uns eine Gewinnmaximierung ersehnen.

Und so wurde zwangsläufig auch aus dem Menschen eine Ware.

Wir sind übergetreten zum Gesetz „Der Stärkste überlebt“.

Dabei treiben wir es noch bunter, als die Natur es tut, die einfach nur ihren berechtigten Instikten folgt:

Wir manipulieren das Recht des Stärkeren mit unfairen, herzlosen, grausamen Mitteln und ergattern Macht durch Betrug.

Die Rassenlehre und der Gedanke vom Mann als dem stärkeren Geschlecht gehören zu den am dreistesten erfundenen Märchen, um Macht durch Manipulation zu sichern.

 

Solch ein Betrug findet in der Natur nicht statt.

Betrug als Frucht findet seine Wurzeln

im Inneren eines zutiefst verletzten, geschädigten Herzens.

 

Wo Mangel ist, möchte Ausgleich geschaffen werden. Und da der Mangel in so vielen Fällen zu lang ausgehalten werden musste, möchte der Mensch Genugtuung. Er fordert fortan diese Genugtuung vonseiten derer, die für sein Glück gar nicht verantwortlich sind.

Dazu müssen Opfer her.

 

Die Frau ist viel zu lang ein Opfer gewesen.

 

Man bietet uns nun ein Erbe zu vergünstigten Bedingungen an,

möchte seichte Widergutmachung tätigen.

Doch diese Sache ist ein Minusgeschäft und stinkt zum Himmel.

 

Ich möchte nicht mehr von Frauen und Männern sprechen. Ich möchte vom Menschen sprechen. Von dem, was uns eint und dem, was wir grundlegend anders machen müssen.

 

Ich möchte daher bekannt geben, dass ich das angebotene Erbe gänzlich ausschlage.

Ich habe mich dagegen entschieden, dieses Erbe anzutreten und Schadensbekämpfung zu betreiben.

Ich möchte nicht verbesserte Bedingungen im Hamsterrad der unbegrenzten Möglichkeiten zum Stopfen eines Fasses ohne Boden.

 

Ich steige aus diesem Hamsterrad aus.

Und es ist mir völlig egal, ob ich eine Vulvina habe oder einen Penis.

 

Ich bin ein Mensch

und ich möchte hier raus.

Ich kann nicht mehr ertragen zu sehen, dass ich unbegrenzte Möglichkeiten habe

weil andere sie nicht haben

egal welchen Geschlechtes sie sind.

 

Ich sehe die eigentliche Lösung nicht darin,

weiter für die Rechte der Frau zu kämpfen

-

was nicht heißt, dass ich damit aufhören werde

-

sondern darin

einen neuen Boden für eine Welt zu bereiten,

in der wir zum Teilen zurück kommen

nach Innen gehen

dort die Fülle entdecken

und somit nicht mehr auf Kosten der ausgelöschten Träumen anderer Menschen unsere vermeintliche Freiheit feiern und auf ihren Gräbern tanzen.

 

Es reicht nicht,

die Frau zu befreien.

Wir müssen auch den Postboten befreien,

der für unsere unfassbare Konsumsucht schuftet bis zum Umfallen

Wir müssen die Menschen befreien, die mit Burnout in die Klinik geflüchtet und froh sind, wenn ihre Zeit dort verlängert wird

wir müssen die Geflüchteten aus den Fluten befreien

die ihr Leben aufs Spiel setzen,

weil unser Konsumverhalten ihre Heimat direkt und indirekt in Schutt und Asche gelegt hat.

Wir müssen die offensichtlichen Opfer befreien

und die versteckten.

Denn, man sieht es erst, wenn man mit dem Herzen hinsieht, auch Wir bringen Opfer.

Die nach aussen hin armen Menschen haben verloren,

und auch wir verlieren mehr Verbindung mit jedem teuren Geschenk, dass wir weiter geben, um der Umarmung auszuweichen, die eigentlich angebracht gewesen wäre.

 

Wir wollen handeln, doch worum geht es am Ende? Leider nicht nur darum, das Nötigste zu haben

und unser Glück in Dingen zu finden, die man nicht kaufen kann.

 

Mein Leben ist dem Kampf für die Gleichberechtigung der Frau gewidmet.

Doch dort möchte und kann ich nicht stehen bleiben.

Ich schlage das Erbe aus.

 

So lange, bis die Möglichkeit des Ausschlagens sich physisch manifestiert, werde ich für eine bessere Welt innerhalb unseres bestehenden Systems einstehen, in der die Zahl der Opfer stetig abnehmen muss.

Doch meine Unterschrift zum Paradigmenwechsel ist bereits gesetzt.

 

Ich sammle Unterschriften.

 

Vielen Dank.